Die Route 66 – der Weg zum Westen. Der amerikanische Traum. Schon mit so jungen Jahren durfte ich der Mutterstraße, der Straße aller Straßen bei meinem dritten Urlaub in den USA nach einem Urlaub an der Ostküste und Lake Michigan sowie Aufenthalte in Kanada 2001 & Florida 2009 vom Anfang bis zum Ende folgen. Doch nicht nur das: Abgesehen von der unfassbaren & unbeschreiblichen Strecke fast quer über einen ganzen Kontinent – von Chicago, Illinois bis nach Los Angeles, Kalifornien – mit all seinen Naturwundern und Geschichten waren unter anderem noch Ausflüge nach Las Vegas, Nevada & San Francisco, Kalifornien dabei. Diese fast 4000 Kilometer lange Straße zeigt und erzählt so unglaublich viel, dass ich gar nicht alles niederschreiben kann. Deswegen werde ich nur die Höhepunkte hervorheben und dabei chronologisch geordnet vorgehen. Was die Route 66 sonst noch alles zu bieten hat lohnt sich auf jeden Fall auch selbst herauszufinden! …Es war auf jeden Fall mit Abstand eine der schönsten Erfahrungen in meinem Leben.

Illinois – »Land Of Lincoln«: Hier startet der Weg zum Westen in der Großstadt am Lake Michigan: In Chicago. Die moderne Großstadt mit ihrem »Vorzeige-Stadtzentrum« ist immer einen Besuch wert. Abgesehen vom Beginn der Route 66 findet man hier den Millenium Park, den Willis Tower & vieles mehr. Die Route 66 führt aus dem Stadtzentrum in südsüdwestlicher Richtung heraus quer durch den US-Bundesstaat Illinois und durchquert dabei eine Vielzahl kleinerer Siedlungen, die meistens schon so alt wie die Straße selbst sind. Die nächste größere Stadt befindet sich genau hinter der Grenze zu Missouri, die durch den Mississippi markiert wird. Ein wirklich toller Fluss!

Missouri – »Show-Me State«: Die Großstadt, die man hier direkt durchqueren muss, oder eher »darf« ist das interessante Saint Louis. Interessant deswegen, weil wirklich jeder Teil der Stadt ganz anders aussieht als die anderen. Hinter großen modernen Gebäuden können an der nächsten Ecke ganz schnell Bauwerke der ärmeren Bevölkerung auftauchen. Im Gegensatz zu anderen amerikanischen Großstädten ist diese auf jeden Fall eine »gelungene« Abwechslung. Das wohl bekannteste Bild der Stadt zeigt den Gateway Arch am Ufer des Mississippi. Einen riesiger, begehbarer Stahlbogen, der die Lichter der Stadt reflektiert und von der Wasseroberfläche ebenfalls in seiner gewaltigen Pracht wiedergegeben wird. Wie bei so vielen anderen Orten auf der Welt gilt hier auf jeden Fall auch: In der Realität noch so viel besser! Doch allzu lange konnte ich an diesem Ort leider nicht verweilen, da es bereits dämmerte und der Plan war, Saint Louis noch vor vollkommener Dunkelheit zu verlassen und in einem Motel auf der nächsten Interstate unterzukommen. So ging die Reise weiter durch den zweiten Bundesstaat dieser Strecke und schon sehr bald war Kansas erreicht.

Kansas – »Sunflower State«: Kansas ist wohl der Staat, der am wenigsten beschrieben werden muss. Hier führt die Route 66 lediglich ein kleines Stück hindurch, bevor man die Grenze zu Oklahoma passiert. Ein einiziges kleines »Highlight« hier war eine Stadt, in dessen Vorort eine Tankstelle lag, wo Hook aus dem Animationsfilm Cars in Originalgröße als voll funktionstüchtiges Fahrzeug stand. In der Tankstelle war sogar ein kleiner »Cars-Souvenirshop«. Ansonsten ist der Eindruck von Kansas: Ein »kleiner«, ruhiger US-Bundesstaat der Farmer.

Oklahoma – »Native America«: Zu Oklahoma gibt es ebenfalls nicht viel zu berichten. Endlose, gigantische Weiten & auf der anderen Seite wieder eine Millionenmetropole mit unfassbaren Ausmaßen… einfach selbst erleben & genießen…

Texas – »Lone Star State«: Auf Texas freute ich mich schon seit dem Beginn der Reise. Was hatte es mit den ganzen Geschichten auf sich, die jeder schon einmal gehört hatte? Büffel, Saloons, Steakhäuser, Sherriffs, Cowboys und so viel mehr… Texas hat etwas besonderes. Das merkt man auch direkt beim Überqueren der Grenze. Man war zwar noch im selben Land. Aber dieser Ort war anders. Als einer der größten Bundesstaaten haben die Texaner auch ihr noch ihr eigenes Identitätsgefühl. Sie sind die starken. Die Weißen, die dieses Land unterworfen haben. Ein Texaner nimmt sich das, was ihm gehört und lässt es sich auch nicht von anderen zunichte machen. Dieses riesige Land gehört ihnen und deshalb brauchen sie sich auch nicht großmächtig um den »Rest« der Vereinigten Staaten scheren. Sie sind ohnehin die »Großen« dieses Landes und würde man sie nach ihrer Herkunft fragen, so würden sie wahrscheinlich eher mit »Texas« als mit »Amerika« antworten. Ohne Zweifel haben sie einen Nationalstolz, aber augenscheinlich sind sie noch viel stolzer auf ihr eigenes unüberschaubares Land.
In Texas war es unglaublich heiß. Dazu konnte man an jeder Stelle des Landes endlos weit in alle Richtungen gucken, ohne etwas zu erblicken. Die Straßen verliefen endlos geradeaus. Immer weiter auf den Horizont zu. Erst nach stundenlanger Fahrt wurde Amarillo erreicht. Eine Stadt mitten in der Wüste. Und wieder einmal riesig. So wie es sich gehört. Und in der Tat gab es Saloons & Steakhäuser so weit das Auge reichte. Eine tolle Atmosphäre. Wie in den Filmen über den Wilden Westen! Unweit der Stadt befand sich auch die Cadillac Ranch, auf der ein paar von diesen Autos senkrecht im Boden versenkt waren und besprayt werden durften. Das Grundstück, auf dem diese standen war so unvorstellbar groß, dass man nicht einmal mit bloßem Auge die Umrandungszäune in allen Richtungen ausfindig machen konnte. So groß waren übrigens alle Grundstücke in diesem Staat. Manche waren auch hin und wieder »gefüllt« mit Herden von Kühen, Büffeln und anderen Tieren. So große Herden habe ich noch nie zuvor gesehen – und so schnell wird dies auch nicht wieder passieren…
Hunderte Meilen weiter westlich wurde endlich der Mittelpunkt der Route 66 erreicht. Dieser war mit einer riesigen Linie markiert und befand sich in einer sehr winzigen Stadt namens Adrian.

New Mexico – »Land Of Enchantment«: »Das Land der Verzauberung« – dies ist New Mexico wahrhaftig. Egal ob man die wunderschönen mexikanischen Städte wie Santa Fe, Tucumcari oder Albuquerque betrachtet, die so dermaßen einzigartig und spannend sind, oder ob man hier auf die typisch mexikanische Landschaft mit all seinen Wüstenpflanzen, Canyons und Bergen achtet. New Mexico ist auf jeden Fall einer der interessantesten Bundesstaaten und es macht unglaublichen Spaß, diesen zu durchqueren. Auch wenn die Hitze wieder einmal fast unerträglich ist. Aber auch hier ist halt Wüste.
Manchmal hat man sogar das Glück freilebende Indianer mit ihren Zelten & Pferden zu sehen, wie sich durch das endlose Land ziehen. Wunderschön – New Mexico!

Arizona – »Grand Canyon State«: Endlich Arizona! Bekannt für seine einzigartige Natur. Und so war es auch: Erst ein kleiner Ausflug durch den Sedona Nationalpark, den ich in meinem Leben nicht vergessen und auf jeden Fall wieder besuchen werde & dann auf zum Grand Canyon. Diesen kann man einfach nicht in Worte fassen. Ein muss für jeden, der die Natur liebt! Ich bin überwältigt!

(Nevada – »Silver State«: Nach dem aufregenden Aufenthalt in Arizona, der fast nur durch die Natur geprägt war, ging es jetzt auf zu einer ganz bestimmten Stadt mitten in der Wüste: Nach Las Vegas. Doch zuerst wurde der Hoover Damm überquert, an dem man sich wie auf einem anderen Planeten fühlte: Das Bauwerk ist so fantastisch und umgeben wird es von einer »marsähnlichen« Landschaft, in der jegliche Vegetation unmöglich ist. Der ausgetrocknete Boden und die brüllende Hitze vernichten hier alles. Und genauso sieht es hier auch aus. Fast wie an einem Set eines Endzeitfilmes – ich vergesse das niemals. Und komme auf jeden Fall noch einmal hierhin zurück! Genauso wie ich noch einmal hierhin reisen werde: Las Vegas. Schon von weitem erkannte man das leuchtende und funkelnde Spielerparadies umgeben von einem Meer aus vertrocknetem Sand. Die verglasten Wolkenkratzer spiegelten die steil stehende Sonne Nevadas in alle Richtungen und man hatte das Gefühl, dass man wohl niemals Schatten finden würde. Doch den gab es: In den Casinos und Spielhallen der Hotels. Und so war es auch kein Wunder, dass diese prall gefüllt waren und sich hunderte Menschen in jedem der Luxuskomplexe mit einem kühlen Getränk und guter Laune bei entspannter Atmosphäre an einem der Spieltische oder Automaten vergnügten. Dieser »Las Vegas-Lifestyle« mag vielen Leuten nicht gefallen, doch wer schon einmal hier war, der weiß: Las Vegas nimmt sich selbst nicht ernst. Es ist all dieses falsche und unnatürliche, was das »mystische« dieser unwirklichen Wüstenstadt noch viel mehr verstärkt. Wenn es eine Liste der einzigartigsten Städte dieser Welt geben würde, so wäre Las Vegas mit ziemlicher Sicherheit ganz weit oben mit dabei. Und das vollkommen zurecht!) [Durch diesen Staat führt die Route 66 nicht. Daher die Umklammerung. Chronologisch geordnet muss Nevada aber zwischen Arizona und Kalifornien.]

Kalifornien – »Golden State«: Alles flimmert. Alles brennt. Hitze. So begann Kalifornien. Mit dem Death Valley – dem Tal des Todes. Passender hätte der Name nicht gewählt werden können! Diese lebensfeindliche Wüste im Westen der USA war einer der besondersten Orte, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Und dies nicht nur aufgrund des komischen Gefühls, welches man die ganze Zeit über in sich trug, sondern vielmehr aufgrund der Natur, die einen abermals zum verstummen brachte. Doch erst wenn man sich mit der Hitze abgefunden hatte und die Wahrnehmung auf das Wesentliche beschränkt hatte, konnte man diese in ihrer vollen Pracht sehen. Und was man dort sah, lässt sich genauso wenig in Worte fassen, wie der Grand Canyon. Es heißt also: Selbst erkunden – das lohnt sich so sehr!
Nachdem das Death Valley verlassen wurde ging es weiter Richtung Pazifik und das Klima wurde merkbar akzeptabler. Und endlich war ich da: In der Stadt der Engel. In Los Angeles! Einfach unglaublich dieser Ort! Es ist nicht direkt Malibu oder Hollywood was so sehr faszieniert – natürlich tun sie es auch – aber es ist das Gesamtpaket L.A.. Selbstverständlich ist es keine perfekte Stadt. Auch keine – in jeder Hinsicht – wunderschöne Stadt. Aber hier passt einfach alles. Der unglaubliche Mix aus Kulturen, das »Düstere«, das diese Stadt umgibt wie Compton, Watts oder das South Central & auf der ganz anderen Seiten dieser leicht verschwindende »Glanz«, der mehr und mehr Träume weckt und umso viele mehr auch wieder zerstört. Es ist einfach alles. Von Long Beach über Anaheim & Downtown bis hin nach Pasadena ist einfach alles unglaublich… Vernetzt sind diese verschiedenen Gebiete mit gigantischen Interstates. Den wohl größten der Welt. Und die einzige Natur, die die Stadt im Wesentlichen zu bieten hat sind Millionen von Palmen – so scheint es für jeden auf den ersten Blick, der nicht den Blick über den Tellerrand wagt und die versteckte Schönheit dieser Stadt wahrnimmt (Laguna Beach, Catalina Island, Hollywood Hills, Santa Monica Mountains…). Zu Los Angeles könnte ich noch so viel mehr erzählen, aber letztendlich zählt der Eindruck in und von der Stadt, den jeder für sich selbst gewinnen sollte… – also auf geht`s!
Zum Abschluss der Reise ging es noch nach San Francisco. Eine wirklich tolle Stadt im Norden Kaliforniens, die viel kleiner ist, als man denkt. Steile Straßen ziehen sich durch die Stadt und kommen fast immer am Wasser aus. So hat man schnell einen Blick auf Alcatraz oder etwa die unfassbar tolle Golden Gate Bridge. San Francisco ist auf jeden Fall eine bewundernswerte Stadt, die auch wieder »etwas anders« ist. Und so bildete sie einen sehr tollen Abschluss für diese riesige Reise mit starken, nachbleibenden Eindrücken sowie Bildern, Geschichten & Gedanken für die Ewigkeit.